Projekte ohne Risiko haben keine Chance



No Risk – no Fun?

Für Projekte scheint das tatsächlich so zu sein. Sollte man je auf ein Projekt stoßen, das keine Risiken in sich birgt, dann lohnt sich dieses Projekt ziemlich sicher nicht. Die Kombination aus Low Risk und High Profit (oder auch High Innovation) gibt es nicht, auch wenn immer wieder danach gesucht wird. Die Risiken eines Projekts und die Chancen auf Gewinn gehen immer Hand in Hand.


Projektmanager kennen die Situation, dass bei Projektstart sämtliche Stakeholder auf eine Risikoanalyse drängen, an der man selbst ebenfalls hohes Interesse hat. Tom De Marco bezeichnet Risikomanagement als „Projektmanagement für Erwachsene“. Jedoch wird als Ergebnis meist erwartet, dass die Risiken entweder „einfach so“ eliminiert wurden oder nur noch in sehr abgeschwächter Form weiterhin bestehen. Für alles andere gibt es kaum Akzeptanz.


Das ist jedoch eine falsche Erwartung an das Risikomanagement von Projekten. Wir können das an dem plausiblen Beispiel einer Werksfeuerwehr eines Chemiebetriebs erkennen, welche aufgrund einer Risikoanalyse eingerichtet wird. Wir alle können das als sinnvolle Maßnahme annehmen. Was uns ebenfalls sofort klar wird, ist die Tatsache, dass man eine Werksfeuerwehr nicht gratis bekommt!

Risikomanagement kostet Geld, bevor das Risiko eintritt

Obwohl die Einrichtung einer Werksfeuerwehr eine aktive Maßnahme aus dem Risikomanagement ist, bedeutet das nicht, dass das Risiko für einen Brand (Unfall) im Werk eliminiert wurde. Lediglich die Folgen des Brandes (Unfalls) können damit sehr wahrscheinlich reduziert werden. Risikomanagement zaubert also die Probleme nicht weg, es stellt nur sicher, dass sie nicht einschlagen wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Risikomanagement bedeutet, auf Risiken vorbereitet sein

Es stellt sich dann oft die Frage, wie viel Risikomanagement ist erlaubt – soll heißen, was dürfen die Maßnahmen kosten, und wie hoch dürfen die verbleibenden Risiken sein? Die Antwort sollte eigentlich nicht so schwer sein, denn beides ist einfach Teil der Projektkosten. Die Maßnahmen sind allerdings sicherer, während die Risiken nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit schlagend werden. Eine gute Projektrisiko-Analyse liefert uns, mit welcher Wahrscheinlichkeit welche Kosten zu erwarten sind. Die Kosten sind also „bekannt“ – zäh und schwierig wird es oft dann, wenn es darum geht, den prognostizierten Nutzwert eines Projekts von den Stakeholdern zu bekommen. Gerne wird zuerst der Nutzwert von den Stakeholdern eher übertrieben, damit das Projekt auf jeden Fall gestartet wird, und später nach unten korrigiert.

Gehen Sie Risiken ein, die den Aufwand lohnen

Besser wäre es für alle Beteiligten, den Nutzwert, der natürlich genauso wie die Projektkosten mit Unsicherheiten besetzt ist, mit einer Wahrscheinlichkeitsverteilung anzugeben, um ein gutes Bild zu bekommen, wie wahrscheinlich es ist, dass dieses Projekt ordentlich profitabel ist. Sollte es ein zweites oder drittes Projekt geben, das in der Pipeline steht, kann eine Projektbewertung dieser Art zur Steuerung des Projekt-Portfolios gute Dienste Leisten.

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