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Ist Mitgefühl für Führungskräfte reiner Luxus?


Mitgefühl zu haben und dann auch entsprechende altruistische Handlungen zu setzen macht uns glücklicher, zumindest aber sind wir zufriedener mit uns selbst. Vorrangig auf materielle Werte ausgerichtete Menschen sind unglücklicher, sie haben weniger Freunde und befinden sich in einem schlechteren Gesundheitszustand als andere, die den inneren Werten größere Bedeutung geben [Tim Kasser, The High Price of Materialism, The MIT Press, Cambridge 2003]. Das heißt, dass unsere Fähigkeit zu Empathie unmittelbare Bedeutung hat und es kein Luxus ist, Mitgefühl zu haben.


Lange Zeit wurde die Meinung vertreten, ein kapitalistisches System könne nur funktionieren, wenn Menschen die Gelegenheit bekommen, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu verfolgen [siehe

Adam Smith]. Glücklicherweise ist das nicht ganz so. Die Forschung vermutet sogar eine biologische Veranlagung zu Mitgefühl, Kooperation und Altruismus. Selbst wenn ein Unternehmen nach außen mit Konkurrenz zu kämpfen hat und dort durchaus immer wieder egoistisch agiert, verlässt sich die Unternehmensführung gleichzeitig auf die Loyalität, Kooperation sowie auf ein beträchtliches Maß an altruistischem Verhalten seiner Mitarbeiter. Konkurrenz innerhalb des Unternehmens ist der Produktivität des gesamten Unternehmens äußerst abträglich.


Wodurch lässt sich eine hohe Kooperationsbereitschaft der Mitarbeiter erhalten?

Hohe Kooperationsbereitschaft bedeutet ja nichts anderes als ein hohes Maß an Motivation, am Erfolg des Unternehmens mitzuwirken, und das mit teilweise durchaus altruistischen Leistungen. Zusatzleistung und die Bereitschaft, etwas mehr zu geben als notwendig, wird dann auch nahezu selbstverständlich erbracht, wenn es für die Mitarbeiter sinnvoll erscheint.


Zum Beispiel dann, wenn zu ihrem Vorgesetzten eine emotionale Bindung besteht, die sich durch Wertschätzung und Anerkennung entwickelt hat. Damit diese Beziehung aufgebaut und erhalten werden kann, braucht es die Fähigkeit von Führungskräften zu Mitgefühl und die Selbstsicherheit, auch dementsprechend zu handeln. Also als Vorbild unterstützend und hilfreich für seine Mitarbeiter zu agieren, ohne eine unmittelbare Gegenleistung einzufordern oder zu erwarten. Die wirksamste Methode, Vertrauen zu erhalten, ist, Vertrauen zu schenken.


Dieses gewonnene Vertrauen und die hohe Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter kann jedoch auch leicht wieder verspielt werden, wenn unfaires Verhalten Einzelner nicht angemessen sanktioniert wird und diese Sanktionen auch für alle erkennbar sind (1). Auch dafür ist die Empathiefähigkeit der Führungskraft gefragt, gepaart mit dem Know-how, das Notwendige einzuleiten und umzusetzen, damit weiterhin das Vertrauen in eine lohnende Zusammenarbeit erhalten bleibt.


Mitgefühl kann durch Coaching erlernt und verbessert werden, genauso, wie das Know-how, um adäquate Sanktionen ohne Drama zu setzen, in Führungskräfte-Trainings erworben werden kann. Diese Investitionen bleiben nachhaltig ein Gewinn für jedes Unternehmen …


(1) Tania Singer, Matthieu Ricard, Mitgefühl in der Wirtschaft, Knaus 2015, Kap.10: Ernst Fehr, Altruistische Sanktionen und die Schaffung öffentlicher Güter

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